Die thermischen Bilder vom Planeten Neptun wurden am 1. und 2. September 06
mit dem Spektrometer VISIR am Very Large Telescope in Chile aufgenommen.
Sie zeigen einen "heißen" Südpol auf Neptun.
Diese warmen Temperaturen wirken wie eine Schnellstraße für Methangas.
Es entschwindet aus den tieferen Atmosphärenschichten.
Das Bild oben links zeigt die Temperaturverteilung nahe den oberen Schichten
der Troposphäre (bei etwa 100 Millibar Druck).
Die heißesten Temperaturen sind bei Neptuns Südpol zu finden. (Grafik rechts oben zeigt es deutlich)
Die beiden unteren Bilder wurden in einem Zeitabstand von 6,3 Stunden aufgenommen.
Sie zeigen die Temperaturverteilung bei höheren Breitengraden in Neptuns Stratosphäre.
Es gibt allgemein wärmere Temperaturen nahe dem Südpol, aber nicht am Pol direkt.
Zusätzlich sind auf dem linken unteren Bild warme Regionen zu erkennen,
die dann - nach einer kompletten Rotation - auf dem rechten Bild verteilt erscheinen.
Das Team veröffentlichte die erste Temperatur-Karte von den untersten Schichten der
Neptunatmosphäre. Diese Karte zeigt, dass der warme Südpol wie eine Schnellstrasse für
Methangas wirkt; es entschwindet aus den tieferen Atmosphärenschichten.
Die Temperaturen am Südpol sind so hoch sind, dass Methangas, welches im Normalfall
in der oberen Atmosphäre, der Stratosphäre, ausgefroren ist, wieder dorthin einströmen
kann. Dies beschreibt Glenn Orton vom JPL ausführlich in einem Artikel im Journal
Astronomy and Astrophysics vom 18. September
Die Durchschnittstemperatur auf Neptun beträgt -200 Grad Celsius. Am Südpol ist es
derzeit um 10 Grad Celsius wärmer. Das ist zwar immer noch sehr sehr kalt, da aber
Neptun 30mal weiter von der Sonne entfernt ist als die Erde, bekommt er nur 1/900stel
der Sonnenenergie als unser Heimatplanet.
Die Temperaturunterschiede beruhen auf jahreszeitlichen Schwankungen. Neptun hat eine
Umlaufzeit von 165 Erdenjahren. Die Jahreszeiten dauern daher dementsprechend lang. Da
Neptuns Südpol derzeit Richtung Sonne zeigt, herrscht auf der Südhalbkugel Sommer; und
das für 40 Jahre.
Auf der Nordhalbkugel ist daher 40 Jahre lang Winter. Das führt zu großen
Temperaturunterschieden zwischen dem permanent der Sonne zugeneigten Südpol und dem
von der Sonne abgewandten Nordpol. In rund 80 Jahren wird der Winter am Südpol einkehren
und am Nordpol wird es Sommer.
Es ist wie auf der Erde. Wenn der Südpol zur Sonne geneigt ist, ist auf der Südhalbkugel
Sommer: Aber auf der Erde dauert ein Sommer nur einige Monate und keine 40 Jahre. Die
Sonneneinstrahlung während dieser langen Zeit, auch wenn sie viel geringer ist als auf der
Erde ist, führt zu großen Temperaturunterschieden zwischen den Regionen. Auf Neptun gibt
es - vermutlich aus diesem Grund - die ärgsten Stürme im Sonnensystem. Sie erreichen
Geschwindigkeiten von mehr als 2000 Kilometer pro Stunde.
Weitere Beobachtungen wurden in der Stratosphäre Neptuns gemacht. Es befinden sich in den
oberen atmosphärischen Schichten mysteriöse "Hot Spots", für die es keine Analogien zu anderen
Planetenatmosphären gibt. Die Forscher vermuten, dass diese "Hot Spots" durch Gase generiert
werden, welches aus tieferen Schichten emporwirbeln.
Neptuns Atmosphäre besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium. Methan ist zwar nur in
wenigen Prozentpunkten vorhanden, aber durch seine starke Absorption im roten Spektralbereich
im Wesentlichen für die blaue Farbe des Planeten verantwortlich.
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