Die Kuffner-Sternwarte
    im Wechsel der Zeiten
    (1917 - 1982)





    Die Kuffner-Sternwarte in der Zwischenkriegszeit

    Zwar gab es Ansätze seitens der Universitätssternwarte und der Akademie der Wissenschaften, die Sternwarte quasi als Ergänzung zur Universitätssternwarte zu adaptieren und vor allem Studenten zugänglich zu machen, doch die ungünstige Zeit der Weltwirtschaftskrise und die unsichere politische Situation der Zwischenkriegszeit machten alle Versuche zur Revitalisierung der Kuffner-Sternwarte zunichte.
    Der aufkommende Nationalsozialismus sollte schließlich alle Anstrengungen, die Kuffner-Sternwarte wieder in Betrieb zu nehmen, vorerst einmal beenden. Es grenzt heute an ein Wunder, daß die Kuffner-Sternwarte den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstanden hat, obwohl keines der wertvollen Instrumente in Sicherheit gebracht wurde!

    So konnten 1946 erste Instandsetzungsarbeiten beginnen; erklärtes Ziel war, die Kuffner-Sternwarte der Öffentlichkeit als Volkssternwarte zugänglich zu machen.


    Die Kuffner-Sternwarte als Volkssternwarte

    W. Jaschek

    Walter Jaschek (1912-1980)
    Leiter der Kuffner Sternwarte in der Nachkriegszeit bis 1980

    Am 21. März 1947 fand die erste Führung auf der neuen Wiener Volkssternwarte statt. Betreiber der Sternwarte war die Volkshochschule Alsergrund (später Wien-Nordwest), die die Leitung der Sternwarte übernahm
    .

    Die Sternwarte selbst befand sich ab 1950 wieder im Besitz der 1938 in die Schweiz emigrierten Familie Kuffner. 1951 verkaufte die Familie die Liegenschaft an die gemeinnützige Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Heim. Die Instrumente gingen 1964 durch Schenkung an die Universitätssternwarte und 1968 an die Volkshochschule Alsergrund.
    Mit dem Verkauf der Sternwarte an die Siedlungsgenossenschaft Heim begann für die Kuffner-Sternwarte eine bange Zeit; konnte man über die Zweckentfremdung weiter Teile der Sternwarte (etwa als Lagerräume für Baumaterial) noch einigermaßen hinwegsehen, schwebte über allem der drohende Abbruch, denn die Kuffner-Sternwarte sollte einem Wohnblock weichen! Zudem kam noch, daß die Kuffner-Sternwarte, die sich bis Mitte der 50er-Jahre doch einigermaßen an Beliebtheit erfreute, mehr und mehr in Vergessenheit geriet. Mitte der 70er-Jahre konnten selten mehr als 500 Besucher jährlich gezählt werden!

    1980 verstarb Walter Jaschek und hinterließ mit der Kuffner-Sternwarte ein Lebenswerk. Seine Nachfolge als Leiter trat Univ.Doz. Dr. W. W. Weiss an, doch sollte seine Amtszeit nicht lange währen. 1982 mußte die Wiener Volksbildung den Betrieb der Kuffner-Sternwarte als Volkssternwarte aus Rentabilitätsgründen einstellen - die Miete an die Siedlungsgenossenschaft Heim verschlang weit mehr, als die wenigen Besucher an Eintritt bezahlten.
    Wäre die Sternwarte 1977 nicht unter Denkmalschutz gestellt worden, würde sie heute wahrscheinlich nicht mehr bestehen. Immerhin existierten bereits Pläne für drei Wohnblocks auf dem Sternwartengelände. Diese konnten zwar nicht mehr realisiert werden, doch der Kuffner-Sternwarte, die zwar nicht mehr abgerissen werden konnte, aber auch keinen Betreiber mehr hatte, drohte der langsame, unaufhaltsame Verfall.


    Die ersten 30 Jahre - die Kuffner-Sternwarte als Forschungsstätte (1884-1917)
    Ein neuer Aufbruch - die Kuffner-Sternwarte ab 1982

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